der schreck sass tief. in novara waren die eigenossen grosser schlachtensieger gewesen. doch hatte man 2000 söldner auf dem schlachtfeld verloren. und es machten sich besonders in bern gerüchte breit, die stadt hätte eigentlich zum besiegten frankreich gehalten. da entlud sich die wut der landleute, sodass die anderen eidgenossen in bern intervenieren mussten.


ritter, tod und teufel von albrecht dürer, eine darstellung des untergehenden ritterstandes, die 1513 entstand. der ritter war im 14. jahrhundert noch der befreier von tod und teufel gewesen; jetzt reitet er selber in den tod. es folgt ihm noch der treue hund, doch selbst die eidechse springt davon!

die erfahrung des todes

die berner truppen war offiziell noch nicht zurück. auch der abgeschleppte bär erfreute die gemüter noch nicht. doch hatte man hierzulande schon kunde, viele verwandte, bekannte und freunde in novara als tote hinterlassen zu haben. der schmerz drückte tief!

schuld waren die franzosen, präzise die „deutschen franzosen“. denn könig ludwig XII. kämpfte in der lombardei nicht mit seinen mannen, sondern mit söldnern, die man aus dem schwäbischen raum angeheurt hatte. 1499 hatten die eidgenossen die noch besiegt, und böses blut war zwischen schwaben und alemannien entstanden.

von denen wollte man doch gar nichts mehr wissen! und mit denen soll die obrigkeit heimlich packtiert haben!

die herren in bern, die man unter den bauern nicht mochte, hätten die eidgenossen verraten, das sei der grund für die vielen toten. „kronenfresser“ beschimpfte man sie, vorerst noch heimlich, und meinte damit die käuflichkeit des eigenen regiments.

nicht entgangen war den schlachtensieger, dass auch auf der französischen seite eidgenossen standen. der berner antoni wyder soll alleine 2000 söldner für könig ludwig XII. geworben haben. viel soll geflossen sein, für diese illegale aktion. und löwenwirt michael glaser soll es an seine kundschaft verteilt in der stadt verteilt haben.


heutige kirche köniz, innendach und taufstein stammen noch von der kirche, die 1513 geweiht wurde.

der aufstand auf dem land

nur 20 tage nach der schlacht von novara stand in köniz die kirchweih an. die kirche wurde an der stelle, wo sie heute noch steht und wo früher schon ein gotteshaus stand, das berta, die beliebte königin hochburgunds, dann burgunds und der lombardei, gestiftet hatte, ihrer neuen aufgabe übergeben.

da versammelte sich viel volk, aus stadt und land. da machte sich schon mal ein böses wort unter den jungen der untertanen an die jungen der obrigkeit auf den weg. an fasnacht war das auch so, wenn auch meist in umgekehrter richtung. und es wurde an der könizer kirchweih vom 26. juni 1513 auch viel getrunken. schliesslich vergassen sich an diesem abend 300 junge landleute.

sie riefen zum aufstand gegen die stadt auf, und griffen bern bewaffnet an!

die gegenwehr der stadt

die verdächtigen venner, die für das militärische aufgebot zuständig gewesen wären, glänzten an diesem abend durch begründete abwesenheit, sodass die schar aufgebrachter männer dem altschultheiss wilhelm von diesbach einen bösgemeinten besuch abstattete. keiner hatte sich mit französischem geld so angefreundet wie er. keine war so umstritten wie er. doch auch keiner kannte den umgang mit den untertanen so wie. ihm gelang es in der nacht, die aufruhr zu beruhigen. ohne blutvergiessen und brandschatzung zog man vor dem morgen noch ab.

da versammelte schultheiss von wattenwyl die bürgerschaft im barfüsserkloster, dort, wo heute das casino steht. man liess sie schwören, auf dass sie die obrigkeit für immer unterstützen würden. die stadt wurde von oben her belagert, und die bewaffneten milizen stellten sich an die tore. zwar hatten hasle, aarberg und huttwil gemeldet, mit der aufruhr auf dem lande nichts zu tun zu haben. doch die bauern der anderen ämter standen schon in wabern, – kampfbereit! die bauernrevolte war perfekt.

die bestrafung der schuldigen

nun rief man die anderen eidgenossen zur vermittlung in köniz auf. so entblösst wurde die berner obrigkeit nur selten: die schuldigen sollten bestraft werden. die kosten für die untersuchungen und vermittlungen hatte die stadt alleine zu tragen, und für die aufmüpfigen untertanen empfahl man eine amnestie, falls sie keinen diebstahl begangen hatten.

in köniz wurde auch vom stadtschreiber verlesen, wer sich von den franzosen hatte bestechen lassen. wilhelm von diesbach, – selbstverständlich stand an der spitze. von ihm, der als anführer der franzosenpartei galt, hatte man nichts anderes erwartet. aber auch andere mitglieder des rates wurden so entlarvt. selbst solche, die auf der seite der liga in novara waren, bezogen geld von der anderen seite.

jetzt wurden strafen verhängt.
geld musste zurückgezahlt werden.
verbannungen wurden angeordnet.
und todesurteile wurden ausgesprochen.

am schlimmsten erging es michael glaser. er musste vor den richtstuhl treten, auf dem wilhelm von diesbach sass, – selber ein beschuldigter, der mit busse davon gekommen war! verurteilt hat er den ehemaligen günstling, und als sich dieser wehren wollte, hiess von diesbach ihn, sich nicht gegen christus zu versündigen. übel ging es aus venner kaspar hetzel, dessen sohn, hans-rudolf, einer war, der illegal auf franzosenseite gekämpft hatte. er wurde, obwohl er das handeln seines nachfahren verurteilte, in olten von der aufgebrachten bevölkerung gefangen genommen, gefoltert und schliesslich gerichtet.

die mitsprache des volkes in fragen der aussenpolitik

die vermittlung der eidgenossen führte ende juli 1513 auch zu einem politischen kompromiss zwischen stadt und land: nur einen monat nach dem aufstand räumte die stadt im könizer brief der landschaft die mitwirkung bei künftigen bündnissen mit fremden mächten mittels aemterbefragung ein. die obrgikeit musste lernen, die ansichten der landbevölkerung zu berücksichtigen.

nicht ohne, was die kirchweih von köniz 1513 alles bewirkt hat!

stadtwanderer


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